Alltagskrimi

Mamas 5 Minuten

Schmökern & entspannen

Wer zu viel im Kopf hat, dem purzelt manchmal auch etwas heraus. Mindestens ebenso gewitzt wie sympathisch-zerstreut meistert Helen ihren Alltag – und muss dabei auch das eine oder andere Rätsel lösen …

Helens Hochzeitstag

Ein herrlicher Altweibersommer: Sonnig-sanft strahlt es vom Himmel herab, ein laues Lüftchen verweht das Haar, das schicke, dünne Flatterkleid darf eine letzte Runde vor der Tür drehen – und auch in Helens Herzen strahlt die Sonne, wenn sie an ihren kommenden Jahrestag denkt. Denn diesmal geht’s nicht nur kurz zum Italiener unten im Haus, bis das Babyfon mal wieder Radau macht und die eingepackten Reste am Küchentisch gefuttert werden – sondern zusammen mit Alex ins Stadion!

Nein, nicht zum Fußball, sondern zur Queen of Pop, Madonna, höchstpersönlich, die mit perfektem Timing hier ein Stelldichein mit mindestens zehn Kostümwechseln und noch mehr Hits zum Mitsingen gibt. Bei Alex reicht’s dann sicher nur zu einem kieksenden „Like a Virgin“ mit überschlagender Stimme, aber genau das fand sie ja damals schon so sympathisch an ihm: ein Typ, der über sich selbst stehen und einfach nur locker Spaß haben kann.

Gerade eben, beim kurzen Abstecher in die Stadt, hat Helen noch zwei Tickets ergattert - empfindlich teuer, aber das ist ihr der gemeinsame Abend wert. Wo war noch mal die Kiste mit den ganzen schultergepolsterten 80er-Klamotten? Der Rückweg vergeht im angenehmen Tagtraum mit vielen virtuellen Outfitwechseln – und auch die beiden Süßen, Max und Marie, sind trotz ausgiebiger Einkaufsrunde verdächtig brav und nur durchschnittlich trödelig unterwegs.

Marie linst nach den beiden Tickets in Helens Handtasche – besonders die metallisch changierenden Farben der Sicherheits-Hologramme haben es ihr angetan. „Die sind ja cool. Wieso kann man da so tief reingucken – das Papier ist doch ganz flach? Und warum funkeln die wie ein ganzer Regenbogen? Das wäre sooooooo super zum Basteln. In der Schule falten wir grad Orri-Garmi-Vögel. Darf ich das tolle Papier mitbringen? Oder können wir noch mehr davon holen? Büdde?“ Maries Stimme springt noch eine Oktave höher, nähert sich Hundepfeifen-Niveau und sucht Unterstützung im unschuldig-süßesten Lächeln der Welt. Helen, die weiß, wie faustdick ihre Älteste es manchmal hinter den Ohren hat, versucht es mit etwas Diplomatie.

„Tut mir leid, damit wird leider nicht gebastelt. Aber wir suchen dir morgen ein schönes anderes Papier mit ganz viel Glanz und Muster aus, okay?“ Marie schmollt ein bisschen, lässt sich aber schnell von Max‘ urkomischen Fratzen ablenken. Jetzt schnell hoch in den zweiten Stock, die Fenster auf und den Kaffee aufgesetzt. Helen freut sich auf ein paar kurze Minuten im Liegestuhl.

Im Ahorn vor dem Balkon streiten sich Amseln und Elstern um den besten strategischen Ausguck. Oder war es ein Wurm? Egal. In der Küche schnell die Einkäufe verstaut – Käse in den Kühlschrank, Obst in die Schale, Brot auf den Tisch, die Tickets aufs Fensterbrett über der Spüle, da kommen die Kleinen nicht so schnell dran … oh, und das Wichtigste nicht vergessen: Ein netter Aufpasser für den besagten Abend muss her, damit der romantische Ausflug dieses Jahr garantiert nicht ins Wasser fällt bzw. gemeinsam mit den Kindern improvisiert werden muss. Nichts gegen die beiden Süßen, aber wenigstens dieser Abend gehört garantiert Alex und ihr!

Wie gut, dass ein paar Türen weiter, auf dem gleichen Flur des Mehrfamilienhauses, mit Frau Glockenberg ein Babysitter auf Abruf wohnt. Sie ist zwar manchmal ein bisschen wunderlich – und neben einem durchdringenden Mottenkugelaroma mit einigen seltsamen Hobbys gesegnet – aber glücklicherweise auch ausgesprochen kinderlieb und verlässlich.

Ein kurzer Blick auf die Kids im Kinderzimmer: „Alles klar bei euch beiden? Ich bin nur eine Sekunde drüben bei Frau Glockenberg. Wenn irgendetwas ist, einfach rufen, okay?“ Die beiden Unschuldsengel nicken brav und nehmen genüsslich eine Playmobil-Figur auseinander (Max) bzw. kämmen der Lieblingspuppe systematisch die Haare aus (Marie).

Ein paar schnelle Schritte, nachdrückliches Klingeln, denn Frau Glockenberg hört mal wieder Volksmusik auf höchster Lautstärke. Als sie öffnet, geben Pauken und Trompeten gerade vollen Einsatz. „Tschuldigung, könnten wir das kurz etwas runterdrehen, ich versteh mich ja selbst nicht mehr!“ brüllt Helen höflich. Die alte Dame nickt freundlich, schlurft zur Anrichte und fummelt etwas an den Reglern herum, bis das Haus nicht mehr im Schuhplattler-Rhythmus vibriert.

Helen startet einen zweiten Versuch. „Entschuldigen Sie die Störung, aber könnten Sie vielleicht am kommenden Donnerstag auf unsere Kinder aufpassen? Wir wollten an unserem Jahrestag so gern ausgehen, auf ein Konzert!“

„Ah, wer spielt denn auf – Marianne und Michael? Die sind ja immer so herrlich zum Mitsingen und Schunkeln!“ fragt Frau Glockenberg interessiert. Helen grinst verlegen. „Ja, so ähnlich – jedenfalls auch was mit M, die Madonna.“ „Oh, was Kirchliches? Das hätte ich bei euch ja gar nicht gedacht. Also, dem möchte ich ja nicht im Weg stehen … am nächsten Donnerstag? Ja, das lässt sich einrichten. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß und passe natürlich gern auf die Kleinen auf. Die sind ja so entzückend und brav!“

Helen hat zwar insgeheim den Verdacht, dass es zum Ruhigstellen ab und zu kleine Bestechungsversuche mit Mozartkugeln und Fernsehprogramm gibt, aber übersieht das gern; sie freut sich über den Babysitter im Haus – und Frau Glockenberg über die temporären Ersatzenkel. So, das wäre erledigt … doch zurück an der Wohnung steht sie vor verschlossener Tür.

Helen durchfährt es siedendheiß. Hatte sie die Tür nicht extra einen Spalt breit offen gelassen? Oder automatisch geschlossen? Sie kann sich partout nicht mehr erinnern. Glücklicherweise hängt die Handtasche noch über der Schulter; zitternd sperrt Helen auf. Ein paar Schritte in die Wohnung, schnell ins Kinderzimmer – da scheint alles noch bester Ordnung. Der Playmobilmann ist zerlegt, der Puppe fehlen die Hälfte der Haare, aber den Kinder geht es offensichtlich blendend. Schnell durchquert Helen die Wohnung. Alles wirkt normal und unberührt … doch in der Küche sackt ihr das Herz in die Hose. Auf dem Fensterbrett liegt … ein großes Nichts. Wo sind bloß die Madonna-Tickets?

Sind sie einem opportunistischen Einbrecher zum Opfer gefallen? Oder ist Marie im Bastelfieber auf dumme Ideen gekommen? Hat Max in einer Trotzphase die Fetzen fliegen lassen? Oder haben die funkelnden Tickets eine diebische Elster vom Baum gegenüber angelockt? Helen ist einfach nur ratlos … Können Sie Ihr helfen?

Was glauben Sie ist die Lösung?

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