ALLTAGSKRIMI

Mamas 5 Minuten

Schmökern & entspannen

Wer zu viel im Kopf hat, dem purzelt manchmal auch etwas heraus. Mindestens ebenso gewitzt wie sympathisch-zerstreut meistert Helen ihren Alltag – und muss dabei auch das eine oder andere Rätsel lösen …

Was für ein Zirkus

Für Helen und Co. geht es rund – auf dem Jahrmarkt im Nachbarort! Während der kleine Max von wilden Magiern und gefährlichen Tieren träumt, wirft sich seine ältere Schwester in ihren besten Rummelfummel. Doch wartet dort vielleicht ein bisschen zu viel Trubel auf unsere Lieblingsfamilie?

Ein vertrauter Duft von Pommes, Lebkuchen und Zuckerwatte liegt über dem Gelände, als Helen, Alex und ihre beiden Sprösslinge Max und Marie in die blinkende Welt der Schausteller eintauchen. Zwischen Riesenrad, Geisterbahn und dem Scheppern des Hau-den-Lukas buhlen hier unzählige Buden und Fahrgeschäfte um das gesammelte Taschengeld.

Helen findet, dass ihre Familie noch etwas Farbe vertragen könnte und steuert einen Stand mit Theaterschminke an. Marie verdreht die Augen. „Mama, dafür bin ich doch schon viel zu groß …“, während sie heimlich ihre eleganten neuen Schnurrhaare bewundert. „Sehr schön, du wilder Tiger“, lobt Alex den gestreiften Look seiner Ältesten. „Und jetzt ab ins Getümmel!“

Beim mechanischen Pferderennen rollen die Kugeln – der Rubel auch – doch eine kleine Box direkt daneben zieht die frischgebackene Raubkatze magisch an. „Deine Zukunft in zwei Minuten“ verspricht der Blick hinter den Samtvorhang. „Nur ein Euro!“ Maries Vater ist skeptisch: „Meinste wirklich? Na gut, ist ja dein Taschengeld …“ Ruckelnd gibt die Gardine den Blick auf die leicht lädierte Pappmache- Wahrsagerin preis. Hat die Gute vielleicht etwas zu tief in die Glaskugel geschaut? Plötzlich zuckt die mechanische Hand – und die Augen flackern gefährlich. Es folgt ein nervenzerreißendes Quietschen … und ein sanftes ‚Plopp‘. „Schau mal, da unten im Ausgabeschlitz …“ – Alex kann sein Grinsen nicht verkneifen – „ … liegt ein Glückskeks! Ich fasse es nicht. Die bestellt ihre Prognosen wohl beim Asia-Bringdienst?“ Max langt nach dem „leckeren“ Backwerk. „Hey, das ist MEINE Zukunft!“ meckert Marie und studiert den gedruckten Spruch: „Ein kleiner Verlust bringt großen Gewinn“.

Während sie noch rätselt, was es damit wohl auf sich haben könnte, steuert ihr kleiner Bruder zielsicher die Schießbude an, wo sich sein Vater gehörig blamiert. „Jaja, total zum Schießen. Von wegen: jeder Schuss ein Treffer! Bei den winzigen Scheiben kann man ja gar nicht gewinnen …“ und lässt seinen billigen Trostpreispokal diskret in Helens Tasche gleiten.
Die hat schon ein anderes Ziel vor Augen: „Hereinspaziert, hereinspaziert … und hoffentlich auch wieder hinaus!“ lockt der Ticketverkäufer vom Spiegelkabinett und streicht, mit Seitenblick auf die Damen, seine spärlichen Strähnen glatt.

Helen manövriert ihre Tochter schnell in die glitzernde Spiegelwelt. „Guck mal, das habe ich früher geliebt! Aber die könnten hier ruhig mal wieder putzen!“ Marie schaut skeptisch. „Echt? Das dauert doch sicher nur ein, zwei Minuten, bis wir wieder draußen sind.“ Während Helen noch in ihrer Tasche nach einem Tuch wühlt, um störende Fingerspuren wegzuwischen, wandern die beiden um ein paar Ecken. „Schau mal: Da hinten am Eingang glänzt was am Boden. Vielleicht hat jemand etwas verloren? Ich geh mal kurz nachsehen!“ Helen hält ihre Tochter zurück. „Du wirst dich noch wundern, wie schwer man hier den Durchblick behält. Das ist wahrscheinlich nur eine Spiegelung!“ Nach ein paar wirren Ehrenrunden stolpern Mutter und Tochter schließlich aus dem engen Glaspalast – und gleich in die Arme von zwei Mädchen, die ein paar Stufen über Marie die Schulbank drücken.

Marie erbleicht hinter ihrem neuen „Look“ und schiebt sich diskret hinter Helen. Doch zu spät: „Hey, cool, dass du auch hier bist!“ freuen sich Sara und Sophie. „Hm … interessantes Make-up? Vielleicht ein bisschen tief in den Schminktopf gefallen? Wir lassen es jetzt im Autoscooter krachen, ciao!“ Marie könnte vor Scham im Boden versinken – besonders, weil ihre Mutter gerade mit Sohn und Mann zu einem Kirmes-Schlager schunkelt.

Helen bemerkt die gefährlichen Wolken, die das Gemüt ihrer Tochter verdunkeln, und zieht ihren heimlichen Joker. „Sag mal, du wolltest doch schon ewig Achterbahn fahren, oder? Hättest du jetzt vielleicht Lust?“ Der kleine elterliche Bestechungsversuch erntet ein erstaunlich sonniges Lächeln. „Echt jetzt? Wow, jederzeit!“ freut sich Marie und sprintet zum Eingang des ratternden Ungetüms, das über dem ganzen Jahrmarkt thront. Doch mit ihrem spontanen Versprechen hat Helen die Messlatte leider etwas zu hoch gelegt: Ihre Süße ist laut offizieller Größentabelle einfach noch nicht lang genug für die versprochene „Wahnsinnsfahrt“.

Die aufziehende düstere Miene lässt Helen „interessante“ Teenie-Zeiten erahnen. „Pass auf, ich drehe jetzt einfach mal eine Runde mit Max und du machst mit Papa was für die „Großen“, okay?“ Alex wirft seiner Frau einen hilflosen „Na, danke“-Blick zu und versucht schnell, die Lage zu retten. „Tut mir wirklich leid, Marie. Wollen wir stattdessen Riesenrad oder Kettenkarussell fahren?“ Marie schaut mehr ent- als begeistert. „Meinst du das ernst? Ich bin doch kein Kleinkind mehr!“ „Hm, dann vielleicht die Wilde Maus? Das passt doch ganz gut zu dir!“ Sein Witz geht voll nach hinten los. „Ach Papa, manchmal bist du echt uncool. Ich hole mir jetzt erstmal etwas zu trinken. Bin gleich wieder da!“

Helen genießt währenddessen ein paar ruhige Minuten in der nahen Kleintiershow … bis ein Handyklingeln das Mäuseballett aus dem Takt bringt.

Sie fragt sich, was Alex jetzt schon von ihr will? Seine Stimme klingt unterschwellig panisch. „Du Helen, Marie ist weg. Ich habe mich nur einmal kurz umgedreht – und kann sie jetzt einfach nicht mehr finden!“

Helens Herz schlägt bis zum Hals, doch wer messerscharf kombiniert, kann ihr sicher helfen, ihren Wildfang wieder einzufangen ....

Hat sich Marie zum Autoscooter geschlichen?

Oder dreht sie eine weitere Runde im Spiegelkabinett?

Bessert sie ihre Tigerschminke nach?

Hat sie sich vielleicht clever in die Achterbahnschlange geschummelt?

Oder auf der Suche nach Mutter und Bruder im ganzen Rummel einfach verlaufen?

Was glauben Sie ist die Lösung?


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